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29.11.2004 - 1.200 Teilnehmer demonstrieren in Pirna
Geschrieben von: 23
Kategorie: Faschismus und Rassismus

Bericht und Bilder von de.indymedia.org

1.200 Teilnehmer demonstrieren in Pirna erfolgreich gegen neonazistischen Lifestyle



Trotz massiver Polizeischikanen und Behinderungen fand in Pirna die Kampagnendemonstration "Schöner Leben ohne Naziläden" am heutigen Nachmittag statt. Aus dem gesamten Bundesgebiet waren hierzu Unterstützer angereist.

Von Beginn an behinderte die Polizei die Demonstranten massiv. Dabei setzten die Beamten Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Die Polizei war bestrebt den Beginn der Veranstaltung hinauszuzögern und forderte alle Teilnehmer einzeln kontrollieren zu können. Angesichts der hohen Teilnehmerzahl war dies nicht möglich, hätte der durch die Auflagen gesetzte enge Zeitrahmen durchgesetzt werden sollen.

Peter Sonthofen, der Sprecher der Kampagne äußert sich dazu wie folgt: "Die 1.200 Antifas, welche nach Pirna kamen, waren entschlossen und offensiv. Die Möglichkeit unsere Demonstration auch gewaltsam gegenüber der Polizei durchzusetzen bestand zu jeder Zeit. Dennoch haben wir unserem Anliegen entsprechend, besonnen und betont defensiv reagiert. Damit ist es gelungen, das Anliegen umzusetzen, die neonazistische Hegemonie in vielen Teilen der Sächsischen Schweiz und in Pirna zu thematisieren."

Währenddessen gelang es Neonazis nicht, ihre großspurig im Vorfeld angekündigten Stör- und Angriffsaktionen durchzuführen. Etwa 100 Neonazis sammelten sich in der Innenstadt und zogen in Gruppen durch die Strassen. Erst nach Beendigung der Demonstration griffen mehrere Neonazis einen älteren Mann an, der ein antifaschistisches Plakat trug. Zufällig vorbeikommende Polizeibeamte verhinderten Schlimmeres. Noch immer ziehen etwa 70 Neonazis durch die Stadt und verfolgen Teilnehmer der Demonstration, die sich auf dem Heimweg befinden.

"Die Aktionen der Neonazis im Vorfeld und nach der Demonstration, ebenso das Verhalten von Behörden und Lokalpresse, bestärkten uns von Anfang an in unserem Anliegen. Deutlicher hätte die Notwendigkeit antifaschistischer Aktion in der Region nicht gemacht werden können. Entgegen allen Unkenrufen zum Trotz erhielt die Demonstration vor Ort auch immer wieder Zustimmungs- und Beifallsbekundigungen durch Passanten und Geschäftsinhaber." sagt Peter Sonthofen weiter.


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Kommentare
Geschrieben von 23 am 29.11.2004 um 16.01 Uhr:
Aus der JUNGEN WELT

Pfeffergas zur Begrüßung

900 Antifaschisten demonstrierten in der NPD-Hochburg Pirna gegen neofaschistische Geschäftemacher

Auch in Pirna startete der Advent, und Markus Ulbig kann zufrieden sein. Die vom CDU-Oberbürgermeister prophezeiten Ausschreitungen blieben aus. Am Sonnabend fand in der sächsischen Kleinstadt eine Demonstration antifaschistischer Gruppen statt. Die Veranstaltung unter dem Motto „Schöner leben ohne Naziläden!« blieb weitgehend friedlich, obwohl eine bayerische Polizeieinheit die angereisten Linken schon am Bahnhofsvorplatz mit Pfeffergas angriff. Den fast 900 Teilnehmern standen ebenso viele Polizisten gegenüber. Erst auf dem Rückweg kam es in Dresden zu Krawallen. Dabei seien Beamte mit Flaschen beworfen worden.

Gleichzeitig lauerten rechte Schläger vor den PDS-Räumen in Pirna. »Schwadronierende Nazis griffen selbst ältere PDS-Mitglieder an«, so Volkmar Wölk von den Organisatoren. Dennoch geht auch er von einem Erfolg für die Antifaschisten aus. Rechtsradikale hatten zuvor zu Angriffen gegen Linke aufgerufen. Außerdem meldeten sie eine Gegenkundgebung an, um die Antifademonstration zu behindern. Letztere konnte deshalb nur unter strengen Auflagen stattfinden. Attacken der etwa einhundert Neofaschisten blieben bis zur Abreise der Linken mit Bus und Bahn aus. Die in Gruppen verstreuten Rechten sahen sich offenbar bis zum frühen Abend mit einer antifaschistischen Übermacht konfrontiert. Vorläufige Festnahmen und mehrere Platzverweise trafen sowohl Linke als auch Rechte.

Im Rahmen einer Kampagne wollten Antifagruppen auf die besonders in Sachsen erstarkte neonazistische Infrastruktur aufmerksam machen. Auch in der 40000-Einwohner-Stadt sei mit dem Laden »Eagle« ein rechter Geschäftemacher erfolgreich. Unternehmer aus der Neonaziszene verdienen an Musikrechten, Konzerten und Bekleidungsmarken derzeit Millionen.

Im Vorfeld wurde die Antifa-Aktion im Kreistag des Landkreises Sächsische Schweiz heftig angegriffen. Auch Vertreter der PDS distanzierten sich. So kamen nur sehr wenige Einheimische. „Hier muß was passieren«, sagte eine Anwohnerin umso entschlossener. Die Frau will anonym bleiben, ihre jugendlichen Kinder seien mehrfach Opfer neofaschistischer Übergriffe geworden. Jugendclubs, Kneipen und Plätze sind fest in der Hand rechter Cliquen.

Die NPD schnitt in Pirna sowohl bei der Kommunal- als auch bei der Landtagswahl überdurchschnittlich gut ab. Die mittlerweile verbotenen »Skinheads Sächsische Schweiz« waren hier besonders präsent. Mitglieder der straff organisierten Vereinigung sind nach wie vor in der rechten Szene vor Ort aktiv.

* Infos: www.stoppnazilaeden.de.vu
 

 

 


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