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| 07.01.2004 - Schröder im SPIEGEL-Interview |
| Geschrieben von: titus |
| Kategorie: |
Bildungswesen |
(...)
SPIEGEL: Das von Ihnen gewählte klingende Stichwort in diesem
Zusammenhang heißt "Innovationsoffensive".
Schröder: Ja - und ich möchte damit insbesondere zwei Felder besetzen.
Zunächst geht es um das, was man im klassischen Sinne als Innovation
begreift, also die Investitionen der Gesellschaft, der Wirtschaft, aber
auch des Staates in Forschung und Entwicklung. Mich beunruhigt die
Tatsache, dass wir auf der einen Seite, etwa in der Biotechnologie, aus
ökonomischen Gründen stärkere Investitionen fordern, auf der anderen
Seite aber Forschungsrestriktionen aufbauen.
SPIEGEL: Weil da zu viele Bedenkenträger mitmischen?
Schröder: Wir sind zu restriktiv. Im Deutschen Bundestag hat es eine
Mehrheit gegeben, die unter dem Druck der Gesellschaft nach meiner
Auffassung partiell zu zurückhaltend war.
SPIEGEL: Und das will der Kanzler nicht länger hinnehmen?
Schröder: Hier wird die Diskussion in einigen entscheidenden Punkten
ebenso neu beginnen müssen wie auf dem zweiten Feld, dem gesamten
Bereich der Bildung. Wir brauchen da bei aller Konkurrenz unter den
Ländern nationale Standards. Und wir benötigen, was die Schule
anbelangt, ein verändertes Elternverständnis. Man darf in dieser
Gesellschaft nicht alles beim Staat abladen.
SPIEGEL: Sie möchten nun einen "Innovationsrat" und einen
"Hightech-Masterplan" aus der Taufe heben. Was verbirgt sich hinter
solchen schillernden Begriffen?
Schröder: "Masterplan" heißt, dass man in Gesprächen mit Wissenschaft
und Wirtschaft vor allem auch nach den Schwächen forscht, die wir
unbedingt beseitigen müssen. Und wir brauchen keine neuen Gremien,
sondern wir brauchen, was man Private-Public-Partnership nennt, also
eine enge Zusammenarbeit zwischen Staat, Wirtschaft und Wissenschaft.
SPIEGEL: Sie haben bereits zu einem Gespräch eingeladen.
Schröder: Zunächst einmal wird der frühere BMW-Vorstandsvorsitzende
Joachim Milberg gegenüber dem Präsidium der SPD noch in dieser Woche
seine Vorstellungen entwickeln und danach Jürgen Kluge von McKinsey vor
dem SPD-Vorstand reden. Ich selber habe für den 15. Januar eine Reihe
von Experten zu mir gebeten.
SPIEGEL: Dürfen wir daraus folgern, dass der Kanzler weiterhin
vornehmlich nach außerparlamentarischen Kombattanten Ausschau hält, wie
das in der Vergangenheit ja schon mit Männern wie Bert Rürup oder Peter
Hartz geschah?
Schröder: Eine zeitgemäß handelnde Regierung kann auf den
Erfahrungsaustausch mit solchen Leuten nicht verzichten. Jemand wie der
Siemens-Chef Heinrich von Pierer, dessen Firma in China eines der
führenden deutschen Unternehmen ist, weiß natürlich besser, wie dort
der Markt funktioniert, als zum Beispiel ein Staatssekretär im
Wirtschaftsministerium.
(...)
SPIEGEL: Deutschland hat mit die jüngsten Ruheständler und die ältesten
Studenten, aus deren Reihen sich gerade eine Welle von Protesten
erhebt. Wie bewerten Sie die? Ist das gegen die Sparpolitik der
Regierung gerichtet - oder bahnt sich da eine allgemeine Politisierung
an?
Schröder: Die sehe ich noch nicht. Jedenfalls keine, die mit '68
vergleichbar wäre.
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