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22.01.2005 - Skandal im Landtag
Geschrieben von: 23
Kategorie: Faschismus und Rassismus

Aus der jungen welt

Skandal im Landtag

Sachsen: NPD-Abgeordnete verließen Plenarsaal während Schweigeminute für die Opfer des Faschismus und relativierten deutsche Verbrechen

Die neofaschistische NPD sorgt weiter für Skandale im sächsischen Landtag und kann sich dabei der Unterstützung aus anderen Fraktionen sicher sein. Am Freitag nutzten die Abgeordneten der NPD den Plenarsaal in Dresden, um die Opfer des Faschismus zu verhöhnen und die deutschen Verbrechen zu relativieren. Als Landtagspräsident Erich Iltgen (CDU) zu einer Schweigeminute für die »Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft« aufforderte, verließ die Fraktion geschlossen den Saal. In der folgenden Debatte bezeichnete der NPD-Abgeordnete Jürgen Gansel die Bombardierung Dresdens durch die Alliierten als »Bomben-Holocaust.«

Der PDS-Abgeordnete Volker Külow zog am Freitag gegenüber junge Welt dennoch zunächst eine positive Bilanz: »Der Landtag hat mit der Schweigeminute zum ersten Mal geschlossenes Handeln gegenüber den Neofaschisten gezeigt«, schätzte er ein. Vor der Landtagssitzung war informell und fraktionsübergreifend vereinbart worden, im Rahmen einer von der NPD beantragen Debatte zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens eine Schweigeminute für die »Opfer des Nationalsozialismus« durchzuführen. Zu dem Gedenken sollte der Alterspräsident des Landtages, Cornelius Weiß (SPD), im Namen aller Fraktionen auffordern. Dank der offenbar guten Kontakte in andere Fraktionen sei es der NPD aber fast gelungen, dieses Vorhaben zu konterkarieren, berichtete Külow. Die Neofaschisten zogen unmittelbar vor Eröffnung der Sitzung einen Eilantrag für eine Schweigeminute für die Opfer der Dresdener Bombennacht aus der Tasche. Külow vermutet, daß die NPD aus den Reihen der CDU-Fraktion, die eine Stunde vor der Landtagssitzung zusammentrat, über das Vorhaben des Alterspräsidenten informiert wurde. Damit setzt sich die Unterstützung der NPD durch andere Abgeordnete des Landtages fort. Erst am Donnerstag hatten gleich fünf Nicht-NPD-Mitglieder den Neofaschisten ihre Stimmen gegeben, und das ausgerechnet bei der Wahl zum Landesjugendausschuß. Um das Ansinnen der NPD auszuhebeln, forderte der Landtagspräsident am Freitag gleich zu Beginn der Sitzung zur Schweigeminute für die Opfer des Nationalsozialismus auf, wodurch der NPD-Antrag hinfällig wurde.

Der von der Neonazipartei beantragte Tagesordnungspunkt war damit allerdings nicht vom Tisch. In der Debatte um die Bedeutung der Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945, so Külow, verfiel der Landtag leider zurück in seine alte Hilflosigkeit. NPD-Fraktionschef Holger Apfel und Gansel konnten unwidersprochen und nahezu ungestört von »angloamerikanischen Terrorangriffen« und »Bomben-Holocaust« schwadronieren. Dieser »sei ursächlich weder im Zusammenhang mit dem 1. September 1939 noch mit dem 30. Januar 1933« zu bringen, so Gansel. »Eigentlich hätte man das Mikrofon abdrehen müssen«, sagte Külow. Aber es sei bei hilflosen Ordnungsrufen geblieben. Ein Großteil der Abgeordneten habe dann den Plenarsaal verlassen, was natürlich keine Lösung sein könne.

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Kommentare
Geschrieben von 23 am 23.01.2005 um 16.10 Uhr:
http://www.nordbayern.de/dpa_art.asp?art=662176&kat=8018&man=3:

Skepsis gegenüber neuem NPD-Verbotsantrag
Berlin (dpa) - Bei Spitzenpolitikern von Rot-Grün und Union überwiegt die Skepsis, ob nach dem NPD-Eklat im sächsischen Landtag erneut ein Verbot der rechtsextremen Partei angestrebt werden soll. Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) legt es offensichtlich nicht auf ein neues Verfahren in Karlsruhe an.

Er sagte am Samstag in der ARD, leider sei das angestrebte Verbot vor knapp zwei Jahren vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert. «Deshalb müssen wir uns jetzt stärker auf die politische Auseinandersetzung beziehen.»

Die Vorsitzende der Grünen, Claudia Roth, reagierte auf Vorstöße für ein neues Verbotsverfahren ebenfalls zurückhaltend. Dies müsse «sehr gut überlegt sein». Der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagfraktion, Dieter Wiefelspütz, lehnte einen neuen Verbotsantrag sogar eindeutig ab. «Das Kapitel NPD-Verbot ist abgeschlossen.» Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte der dpa: «Eine Wiederaufnahme des NPD-Verbotsverfahrens muss sorgfältig vorbereitet werden. Aktionismus hilft nicht weiter, sondern nützt im Falle eines erneuten Scheiterns nur der NPD.»

Das Bundesverfassungsgericht hatte das Verbotsverfahren gegen die NPD im März 2003 wegen Fehlern der Exekutive eingestellt. Im Zuge der Vernehmungen hatte sich zuvor herausgestellt, dass mehrere Zeugen für den Verfassungsschutz arbeiteten. Nach Ansicht von Sachsens PDS-Fraktionschef Peter Porsch sollte das Land den Bundesinnenminister nun auffordern, beim Verfassungsgericht erneut gegen die NPD vorzugehen. Porsch wolle dazu Gespräche mit CDU, SPD, FDP und Grünen führen, berichtet das Magazin «Spiegel».

Die NPD muss seit der Landtagsdebatte am Freitag in Dresden mit rechtlichen Schritten der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung rechnen. Abgeordnete hatten die britisch-amerikanischen Bombenangriffe zum Ende des Zweiten Weltkrieges mit dem Massenmord der Nazis an den Juden verglichen und von einem «Bomben-Holocaust von Dresden» gesprochen. Zudem verweigerte sich die NPD einer Schweigeminute für die Opfer des Nazi-Regimes.

SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter appellierte im «Tagesspiegel am Sonntag» an «alle demokratischen Kräfte im Land, aufzustehen und diesen nazistischen Umtrieben mit allen Mitteln Einhalt zu gebieten». Grünen-Chefin Roth rief die Wähler in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen dazu auf, bei den Wahlen im Februar und Mai «mit einer hohen Wahlbeteiligung dafür zu sorgen, dass die Rechtsextremen nicht in die Landtage kommen». Der Vize der Grünen-Bundestagsfraktion, Hans-Christian Ströbele, forderte die Bevölkerung in der «Berliner Morgenpost» (Sonntag) auf, eine NPD- Demonstration am 8. Mai am Brandenburger Tor zu verhindern.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, äußerte am Sonntag im Deutschlandfunk Zweifel, ob die Politik entschlossen genug gegen den Rechtsextremismus vorgeht. Es reiche offenbar nicht aus, den Wählern zu sagen: Wählt nicht die NPD. «Hier muss man Überzeugungsarbeit leisten.»
 

Geschrieben von Werner am 23.05.2006 um 22.57 Uhr:
Cornelius Weiss muß sich die Attacke gegen sich gefallen lassen, nicht nur, weil er ein Jude ist, sondern weil er im Landtag schon sehr oft in ungerechtfertigter Weise Themen, die nicht auf der Tagesordnung standen, permanent mit Dem Hitlerregime verglichen hatte.
So etwas gehört sich auch nicht !
 

 

 


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