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09.09.2003 - Verdi meldet sich zu Pruegelbullen
Geschrieben von: 23
Kategorie: International

Sogar die Schnoessel der Verdi beschweren sich ueber die Pruegelbullen,
die am 6.9. in Nuernberg die Nazis und die Gegendemonstration
"beschuetzt" haben.


---
Bitte diesen Brief weiterleiten an den stellv.Vorsitzenden der
Gwerkschaft der Polizei, GLBV Bayern Kollege Heinz Kiefer

Dem Bundesvorstand der GdP und dem Verteiler zur Information

Lieber Kollege Kiefer,

am Samstag, den 6. September fand in Nürnberg eine Kundgebung
rechtsextremistischer Wirrköpfe statt. Das Verbot der Stadt Nürnberg
wurde, nachdem es von Verwaltungsgericht Anbach und bayerischen
Verwaltungsgerichtshof bestätigt wurde, vom Bundesverfassungsgericht
aufgehoben. Du weisst die näheren Umstände, denn du hast deutlich dazu
Stellung genommen. Dies möchte ich an dieser Stelle auch hervorheben,
denn du hast deutlich gemacht, dass dieses Urteil nicht
nachzuvollziehen war. Auch teile ich deine Einschätzung, dass der
Aufmarsch der Ewiggestrigen eine Provokation der Hinterbliebenen der
Opfer des Nariregimes war, wie du in der Presse zitiert wurdest.

Leider kann ich nicht mehr mit dir einhergehen, wenn es um deine
Einschätzung geht, als du deine Mitglieder verteidigen wolltest
(musstest?). Keinesfalls wurden hier die Polizistinnen und Polizisten
in einen Gewissenskonflikt (mit deinen Worten "Dilemma") gebracht.
Zumindest empfanden das diejenigen Menschen so, die auf dem Platz und
in der Demonstration live dabei waren, als Kundegebungsteilnehmer
brutal misshandelt wurden. Nein, Kollege Kiefer, damit wir uns richtig
verstehen, nicht etwa die angeblich auch von deinen Kollegen so
verabscheuten Neofaschisten, sondern die Gegendemonstranten wurden mit
gemeinen Methoden festgenommen und getreten. Auch mich hat einer
dieser sauberen "Kollegen" mit einem Ellbogenschlag in die Magengrube
ausser Gefecht gesetzt, weil ich ihm "im Weg stand". Live, sozusagen
hautnah war ich dabei, als 34 Polizisten einen (!) Gegendemonstranten
festnahmen und zur Vernehmung in ein Polizeifahrzeug verluden. Ich
muss ehrlich sagen, meine Wut lies mich in diesem Augenblick nicht
mehr differenzieren, zwischen den vielleicht wenigen netten Seelen in
den Reihen dieser brutalen Schlägertruppe. Ich weiss nicht, wie sich
die Hinterbliebenen der Opfer des Naziregimes angesichts der Tatsache
gefühlt haben, auf der einen Seite feixende, grinsende Nazis zu sehen
und auf der anderen Seite Polizisten, die gewaltsam gegen Nazigegner
vorgehen...

Zwölf Festnahmen gab es an diesem Tag. Nicht eine auf der Seite der
Neofaschisten. Natürlich waren es auf Seiten der Gegendemonstranten
wie immer "provozierende Autonome". Klar, wie immer, wenn man
Rechtfertigungen für die Öffentlichkeit sucht. Wer wirklich dabei war
weiß, dass dies schwachsinniges Gerede ist. Einfach gelogen. Deine von
dir verteidigten Kolleginnen und Kollegen mit dem Gewissenkonflikt,
gepanzert, als ginge es zur Schlacht gegen einen übermächtigen
Gegener, als wäre Robocop Realität, bereits bei der Kundgebung mit dem
Oberbürgermeister aufmarschiert, haben geschlagen, getreten und
geprügelt. Eine Sprecherin (wirklich keine Autonome) des Nürnberger
Friedensforums wurde grün und blau geschlagen. Die Neofaschisten haben
sich bestimmt über diese Art des Umgehens deiner Kolleginnen und
Kollegen mit den Demokraten gefreut.

Abschliessend möchte ich dir, Kollege Kiefer sagen, dass ich sicher
bin, dass es nicht immer einfach ist, einen Gewerkschafter bei der
Polizei zu spielen. Ich bin auch der Meinung, dass Polizistinnen und
Polizisten einen gewerkschaftlichen Schutz brauchen (wobei ich nicht
weiss, wozu sie eine eigene Gewerkschaft brauchen). Aber ich bin auch
der Meinung, sogar der festen Überzeugung, dass es nicht Sache der
Gewerkschaft sein kann, und mit Ausnahme deiner Gewerkschaft auch von
keiner so passiert, Sachlagen in diesem Fall so zu verdrehen, als
wären die Beamtinnen und Beamte in der Polizei die größten Opfer der
Justizentscheidung. Opfer sind wir alle, die gegen Rechtsradikalismus
und Neofaschismus stehen (auch die, die nicht dafür auf die Straße
gehen). Aber ich habe es satt, von verrohten Polizisten, USK oder SEK
getreten zu werden und anderen beim getreten werden zusehen zu müssen,
wenn wir unser Recht als Gewerkschafter und Demokraten wahrnehmen,
Neonazis die rote Karte zu zeigen. Und noch mehr reicht es mir, dass
Gewerkschafter der GdP das mit einem "Dilemma" oder anderen abwegigen
Ausreden zu entschuldigen versuchen.

Vielleicht nimmst du dir das zu Herzen und hörst dir auch unsere
Version der Geschichte an.

Mit kollegialen Grüßen

Jürgen Gechter Betriebsratsvorsitzender Mitglied des BFBV
Mittelfranken der Gewerkschaft VERDI

Dieser Artikel wurde 2778 mal gelesen.
   
 
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Kommentare
Geschrieben von manaru am 09.09.2003 um 21.06 Uhr:
Ich hab nur mitbekommen wie so ein vollkommen durchgeknallter Bulle einen wutanfall bekommen hatte (ich glaube auch in dieser Schultheißallee - mit den Bäumen rechts und links wo die Brügelbullendubs die autos mit ihren helmen beschädigt haben) und durch das Seitentranspi getreten hat. mich hat er 2 mal gestriffen und einen anderen zimlich erwischt. der hatte sich nicht mehr unter kontrolle, ist rot angelaufen, hat gezittert und uns beschimpft (unsere Polizei, freund und helfer)

Dies ist aber leider realität wenn es um "linken" demos, kundgebungen, camps .... geht.

mfg. manaru
 

Geschrieben von manaru am 09.09.2003 um 21.16 Uhr:
ups ich hab ein "nur" geschrieben, da war aber noch mehr: die erste Konfrontation wegen Seitentransparenten oder wo die polizei bei der kundgebung 2-3 Schneisen zwischen den demonstranten aufgebaut hat und von dort aus immer wieder versucht hat menschen rauszugreifen, unnötig provoziert hat oder wo die 3-4 leutchen über die abschperrung gesprungen sind und voll auf den Boden geworfen wurden (was ist mit denen überhaupt passiert) naja eben unsere Polizei die immer das nötige maß an gewalt.

Abschliesend muss ich noch sagen, das diese Deeskalationsbeamten in meinen Augen ein großer witz sind, die stehen gerade einmal 10 meter weg, mit ihren netten Button´s, während ihre lieben Collegen prügeln.

ich denke das wir bei der nächsten Demo denen ihre netten kärtchen nehmen sollten und anschliesend mit einem netten text direkt zurückschicken sollten.

mfg. manaru
 

Geschrieben von Pfarrer D. Schlee am 13.09.2003 um 12.09 Uhr:
Leserbrief an die Nürnberger Nachrichten vom 12.9.03
"Ich schreibe nur, was ich gesehen habe. Nach der Veranstaltung der Stadt vor der Kongreßhalle schloß ich mich dem Zug des Bündnisses gegen die Naziprovokation an. Wir gingen die Bayernstraße entlang. Neben uns her marschierten Polizisten in martialischen Rüstungen. Ein junger Mann vor mir trat mit einem Fuß über den Randstein, der Fahrbahn vom Gleisbett trennt. Ohne ein Wort zu sagen schlug der Polizist sofort mit der Faust zu.

Und jetzt kommentiere ich: Nein, Herr Polizeisprecher Grösch, da wurde niemand gegen ein Einsatzfahrzeug gepreßt. Ich will eine rechtsstaatliche Polizei.

Viehtreiber gehören in den Schlachthof, nicht in eine Uniform.

-/-
 

Geschrieben von alles Gute am 15.09.2003 um 12.56 Uhr:
Die Sprecherin des Friedensforums, Anna Beltinger, welche von einem Polizisten grundlos der Arm bis zum Anschlag verdreht und anschließend der Beamte mehrfach gegen ihr Bein trat, welches dann zahlreiche schwere Prellungen und Blutergüsse aufwies, musste wegen schwerwiegender Gewebeschäden vergangene Woche operiert werden. Diese Woche muss noch eine Nachoperation vorgenommen werden. Das Verhalten der Polizei am 6. September 2003 in Nürnberg ist nicht mehr als bedauerlicher Zwischenfall zu werten, sondern als eine Schande für eine Stadt, welche sich Stadt des Friedens und der Menschenrechte nennt.

Gruß und gute Besserung
Titus


 

Geschrieben von Jürgen Gechter am 01.12.2004 um 16.54 Uhr:
Schön, dass mein Brief an den GdP-Vertreter hier gepostet wurde. Aber als "Schnoesel" lass ich mich deshalb trotzdem nicht von irggendeinem Arsch bezeichnen. Ursache und Wirkung hat was mit Politik zu tun. Und wer ich bin, kannst du vielleicht unter Google mal rausfinden. Also erst denken, dann (links) hndeln.

Schönen Tag!
Jürgen Gechter
 

 

 


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